Die Macher im Interview

Die Herausgeberin: Cara D. Strange

Autorin, Produzentin, Visionärin: Wenn jemand verrückt genug ist, zwei Leidenschaften, die gegensätzlicher nicht sein könnten, in einen Topf zu werfen und daraus die abgedrehteste Ausschreibung des Jahres zuzubereiten, dann kann nur von Cara D. Strange die Rede sein. Wie aus einem kleinem Missverständnis die "Vikings of the Galaxy" wurden, erfahrt ihr in den zehn Fragen an die Herausgeberin.

 

Cara, welche berühmte, berüchtigte oder fiktive Persönlichkeit bist du in deinem früheren Leben als Wikingerin gewesen?

Viele erwarten wahrscheinlich, dass ich sage, ich sei eine Wikinger-Kriegerin a lá Lagertha gewesen. Gut möglich. Vielleicht habe ich aber auch als Schiffs-bauer(in) die Leute inspiriert, zu neuen Ufern aufzubrechen.

 

Was ist dein liebster Wikinger-Film / deine liebste Wikinger-Serie?

 „Wickie und die starken Männer“ habe ich als Kind geliebt. Irgendwie habe ich den kleinen Helden Wickie immer als Mädchen gesehen. Vielleicht, weil ich mich auch eher wie ein „Bub“ benommen habe, der immer auf Erkundungstour war.

 

Wie bist du auf die wahnwitzige Idee gekommen, Wikinger ins Weltall zu schicken?

Die Idee kam mir beim Anschauen der Serie „Vikings“, als der Jarl rief: „Schilde hoch“. Hat mich total verwirrt. Irgendwie bin ich zu tief in der Schience Fiction drin.

 

Stell dir vor, ein Raumschiff voller eroberungslüsterner Weltraum-Wikinger landet auf der Erde, und du wärst durch einen irren Zufall die Erste, die mit ihrem Jarl spricht: Mit welchen Worten würdest du versuchen, uns vor der wilden Horde zu retten?

„Langes Leben und Frieden“ und hoffen, dass sie schon den Warp-Antrieb haben.

 

Nein, ich würde sie einladen, an meiner Tafel zu speisen. Ich koche und backe immer so viel, dass davon eine ganze Horde satt werden würde.

 

Wenn du ein Element aus der Phantastik in die Realität holen könntest, wofür würdest du dich entscheiden?

Durch Zeit und Raum reisen und schauen, was bei den Wikingern und anderen Völkern wirklich los war. Oder auf anderen Planeten. Ein weiblicher Doctor Who sozusagen. Wobei ich als Fortbewegungsmittel wahrscheinlich kein Telefonhäuschen wählen würde.

 

Du bist nicht nur Herausgeberin, sondern hast dir auch als Autorin einen Namen gemacht. Was sollte man von dir gelesen haben?

Ob man „Augenblick der Ewigkeit“ unbedingt gelesen haben muss, überlasse ich der geneigten Leserschaft. Liebhabern mystischer Space Operas lege ich es allerdings ans Herz.

 

Aber „Sha’an –Chroniken der Ewigkeit“ ist noch viel mehr als eine Romanreihe. Du bist mit deinem Herzensprojekt auch als Filmproduzentin unterwegs. Was hast du damit für Erfahrungen gemacht?

Oh, das könnte lang werden … Viele halten es für schwierig bis unmöglich, deutsche Science Fiction ins Fernsehen zu bringen, wobei „Raumpatroille Orion“ in den Sechzigern ja ein Vorreiter war. Durch die Streaming-Dienste hat sich die Medienlandschaft allerdings sehr stark verändert, ist schnelllebiger geworden und setzt sehr stark auf fantastische Stoffe. Warum sollen die nicht auch aus Deutschland kommen und von einer Frau geschrieben sein? Wichtig ist dabei, sich nicht unterkriegen zu lassen, selbstkritisch zu sein und ein absolut handfestes Konzept abzuliefern. So etwas funktioniert nicht im Alleingang, dazu braucht es schon eine eroberungswütige Horde mit entsprechender Fachkenntnis.

 

Was macht für dich das Leben lebenswert?

Dinge, die einen bewegen, erfüllen ... glücklich machen: Projekte, Freundschaften, Zusammenhalt … Bücher.

 

Wenn du Cara D. Strange in drei Adjektiven beschreiben solltest ...

Verrückt, verrückt, verrückt.

 

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Vielleicht an einem norwegischen Fjord sitzend, Polarlichter beobachten, während irgendwo ein Feuer knistert und ein Hauch von Mystik und alten Geschichten in der Luft liegt.


Der Verleger: Marc Hamacher

Wer noch mit dem Gedanken spielt, bei den Vikings of the Galaxy sein Glück zu versuchen, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass seine Geschichte von einem Mann verlegt wird, der dem Tod ein Buch gewidmet hat, der gerne mit Schlachtermessern posiert und einen Humor kultiviert, der irgendwo zwischen Wahn und Sinn mit Sahnetörtchen um sich wirft.

Aber das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit ...

Wir haben Marc zehn Fragen gestellt. Zu Wikingern. Zu seinem Leseratten-Verlag. Zu Marc. Auch wenn Teile der Antworten euch verunsichern könnten, zeigen sie doch vor allem eines: einen der nettesten, fairsten und positiv verrücktesten Verleger der Phantastik-Szene.

 

Marc, welche berühmte, berüchtigte oder fiktive Persönlichkeit bist du in deinem früheren Leben als Wikinger gewesen?

Hmmm, gibt es eine Wikinger-Version von Troubadix? Ich hab sicher meine Feinde mit meinem Gesäusel eingelullt.

 

Was ist dein liebster Wikinger-Film / deine liebste Wikinger-Serie?

Ich mag die Serie „Vikings“, wobei die ersten Staffeln besser waren. Selbst als Mann könnte ich in Fimmels Augen versinken…

 

Stell dir vor, ein Raumschiff voller eroberungslüsterner Weltraum-Wikinger landet in Backnang, und du wärst durch einen irren Zufall der erste, der mit ihrem Jarl spricht: Mit welchen Worten würdest du versuchen, die Erde vor der wilden Horde zu retten?

Die Erde muss nicht gerettet werden. Ich würde fragen, ob sie mich mitnehmen auf einen Planeten, wo es anständigen Met gibt. Und wilde Weiber. Und noch traditionelle Blutopfer. Und nur nordische Rockmusik. Und vor allem keine glitzernden, veganen Vampire, die auf Einhörnern über Regenbögen reiten.

 

Wenn du ein Element aus der Phantastik in die Realität holen könntest, wofür würdest du dich entscheiden?

Das ist schwer. Das hängt auch von meiner jeweiligen Laune ab. Teleportation wäre nett, denn ich bin gern an anderen Orten, aber die Reise ist immer doof. Es gibt auch Momente, da würde ich gern mit einem Schnippen manche Menschen entsorgen. Manchmal wäre ich gern Amor und würde anderen Menschen zu ihrem Glück verhelfen.

 

 Wie bist du auf die wahnsinnige Idee gekommen, dass jemand ein Buch über Wikinger im Weltraum kaufen würde?

Die Idee ist nicht von mir, sondern von der größenwahnsinnigen Filmemacherin und dem bekloppten Gärtner. Der hat mich dann darauf angesprochen und ich hab ihm gesagt, dass ich das Buch sofort veröffentliche, wenn ich als Gegenleistung einen FEUERSTURM-Roman kriege. Aber mal ein wenig ehrlicher: Als kleiner Verlag macht man keine Bücher, um die zu verkaufen oder damit reich zu werden. Wir (auch viele meiner tollen Kollegen) machen die Bücher, an denen wir Spaß haben, wo wir denken, dass die Welt drauf gewartet hat und die wir gerne selbst lesen würden. Wenn es dann auch Käufer findet, dann ist es schöner, aber das ist nicht die Hauptsache.

 

Spätestens mit der „Ausschreibung des Todes“ dürfte der Leseratten-Verlag sich als feste Größe in der Phantastik-Szene etabliert haben. Wie gehst du mit dem plötzlichen Anstieg deines Bekanntheitsgrads um? 

 

Das ist gar nicht so einfach … Durch die knapp 400 Einsendungen sind wir positiv geschockt worden und der detailierte Zeitplan wanderte in die Tonne. Und es bestärkte mich in dem Entschluss, für die beiden Anthologien im Jahr 2019 Herausgeber zu suchen, welche dann die Drecksar^H^H^H Vorauswahl und Hauptarbeit erledigen. Das alles erhöht irgendwie den Druck, dass man den Erwartungen auch gerecht wird. Und doch ist man irgendwie dankbar und gerührt, dass es so viele Autoren gibt, die einem kleinen, neuen Verlag ihre „Kinder“ anvertrauen wollen.

 

Was haben Leser, Autoren und die Welt heute und in Zukunft vom Leseratten-Verlag zu erwarten?

Wir schießen uns ja ein wenig auf die lustige Phantastik ein. Da sehe ich ein wenig die Nische und da wollen wir uns etablieren. Schon im April erscheint der Debut-Roman von Marina Heidrich, die nicht nur Phantastik mag, sondern leidenschaftliche Rockmusikerin ist. Sie hat eine Mischung aus Fantasy und einer fanatischen Liebeserklärung an die Musik und die Freundschaft geschrieben und das in einer absolut positiv kranken Form. Ich esse zumindest keine Möhrchen mehr, ohne dabei böse zu kichern.
Das heißt nicht, dass wir tollen, anderen Ideen gegenüber verschlossen sind. So wird 2019 eine Antho erscheinen, bei der es gar nicht lustig zugeht und danach Deutschland nicht mehr so aussehen wird, wie man es kennt. Da könnt ihr wirklich Gigantisches erwarten.

 

Was macht für dich das Leben lebenswert?

Humor, Liebe, Musik, gutes Essen.

 

Wenn du Marc Hamacher in drei Adjektiven beschreiben solltest ...

Das überlasse ich lieber anderen. Sich selbst beschreiben ist immer schwer, weil entweder man untertreibt, oder man übertreibt. Wichtig ist nur, dass man ehrlich zu sich und allen anderen Menschen ist.

 

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

In zehn Jahren stehe ich auf der Bühne beim BuCon und erhalte von Torsten Low, meinem dann fleißigsten Angestellten, den Ehrenpreis als lustigster Spaßvogel der Funtastik …. Weil die Welt ist Kacke genug und wenn ich etwas will, dann den Leuten mit Büchern einen wohligen Lachkrampf in den Bauch zaubern.